C H R O N I K
Vom 5.
bis 15. September 2009 finden in Taipei/Taiwan die 21. Sommer-Deaflympics
statt.
Was sind die "Deaflympics"?
Deaflympics ist eine
Wortzusammensetzung aus
deaf (engl.
für „taub“) und
Olympics (engl. für „Olympische Spiele“).Die Deaflympics
sind somit die Olympischen Spiele der Gehörlosen welche immer 1 Jahr
nach den olympischen Spielen stattfinden.
Die
Deaflympics werden
vom ICSD organisiert. Die ICSD verzichtet auf die Teilnahme bei den
Paralympics, da Gehörlose selbst
unter
Behinderten auf Grund von
Kommunikationsproblemen ausgeschlossen sind.
Übergabe der
Deaflympics-Flagge an Taiwan
Für die
Spiele 2009 in Taiwan ist eine Rekordzahl bei dern Teilnehmern zu erwarten.
Derzeit sind 2.900 Sportler aus 83 Ländern gemeldet.
Wie auch
die olympischen Spiele finden die Deaflympics seit 1949 alle vier
Jahre statt. Die Winter-Deaflympics werden im gleichen Turnus um
zwei Jahre verschoben durchgeführt. Das Auswahlverfahren und die
Vergabe der Spiele gleicht dem Verfahren des IOC, nur finden sie
immer ein Jahr nach den olympischen und paralympischen Wettbewerben
statt. Seit 2001 sind die Deaflympics vom Internationalen
Olympischen Komitee (IOC) als die Spiele der Gehörlosen anerkannt
und dürfen offiziell den Namen "Deaflympics" tragen mit eigenem dazu
gehörigem Logo.
Österreichs
Sportler und Sportlerinnen waren 1924 bei den ersten Spielen noch
nicht dabei, erst 1928 in Amsterdam und 1931 in Nürnberg, obwohl der Gehörlosensportverband
erst im Jahr 1932 gegründet wurde. Der Österr. Gehörlosen-Sportverband
ist damit
der älteste Behindertenverband hierzulande. Seit den
Weltspielen 1928 in Amsterdam war Österreich regelmäßig außer 1939,
1965 und 1989 bei diesem
Höhepunkt in der Karriere jedes hörbehinderten Kadersportlers
vertreten.
Warum gibt es die
Deaflympics?
Einmarsch der
ÖGSV-Athleten
Der
Ablauf der Spiele ist vergleichbar mit den Olympischen Spielen und
den Paralympics (hier jedoch ohne Einteilung in Schadensklassen -
grundsätzliche Voraussetzung für die Teilnahme eines Athleten ist
ein Hörverlust von mindestens 55dB auf dem besseren Ohr) und es
gelten im Allgemeinen die Regeln der internationalen hörenden
Spitzenverbände. Lediglich in einigen Punkten, die speziell die
Gehörlosigkeit betreffen, können diese Regeln abgewandelt oder
ergänzt werden - wie z.B. der Ersatz von akustischen Signalen durch
visuelle Signale beim Start.
Durch
die eigene Kommunikationsform der Betroffenen, die auf visueller
Vermittlung und optischer Wahrnehmung beruht, ergeben sich besondere
Voraussetzungen und Anforderungen an die Sportler. Ihnen fehlen
akustische Informationen, die Hörenden zusätzlich zu den visuellen
zur Einschätzung einer Situation zur Verfügung stehen.
Dabei
handelt es sich um Details wie z. B. die Beschaffenheit eines
Untergrundes beim Ski-Sport, die Art, wie ein Ball beim Tennis oder
Tischtennis geschlagen wird, der Schuss aus der Startpistole, den
sie nicht hören oder das Zurufen zwischen den Teammitgliedern bei
Mannschaftssportarten. Sehr wichtig ist auch das Thema Motivation
einhergehend mit Leistungssteigerung, z.B. durch das Anfeuern durch
die Zuschauer. Diese zusätzliche Stimmulation kommt bei den
gehörlosen Sportlern kaum an. Dazu kommt der Umstand, dass gehörlose
Kinder meistens viel später an den Sport heran geführt werden als
hörende, so dass in den wichtigen Entwicklungsphasen der
unmittelbare Zusammenhang zwischen Höreindruck und Bewegung nicht
genutzt werden kann.
Gehörlose haben durch die Art ihrer Behinderung eine eigene Kultur
mit eigener Sprache entwickelt. Für Außenstehende immer wieder
faszinierend ist die Feststellung, dass über nationale Grenzen
hinweg eine Verständigung für Gehörlose untereinander fast
problemlos ist, so dass sie eine in sich geschlossene Gruppe bilden.
Daher wurden eigene Gehörlosen-Sportveranstaltungen, der
"Gehörlosensport" ins Leben gerufen. Er ermöglicht nicht nur
sportliche Begegnungen auf gleichem Niveau sondern bietet den
Beteiligten auch viel mehr als im hörenden Sport Möglichkeiten, sich
sozial und kulturell mit Menschen anderer Nationen auszutauschen.
Fazit:
Die Zahl der Teilnehmer an diesen Großveranstaltungen im
internationalen Gehörlosensport ist in den vergangenen Jahrzehnten
stetig angestiegen. Es
bedarf einer logistischen Meisterleistung eine derartige
Veranstaltung durchzuführen und wir sind sehr froh darüber, dass das
Organisationskomitee in Taiwan offensichtlich gut vorbereitet ist.
Weitere Infos können Sie über
www.2009deaflympics.org abrufen.
Die
Österreichische Delegation wird 2009 voraussichtlich aus ca. 30 Personen
bestehen. Finanziert wird die Teilnahme der österr. Mannschaft
voraussichtlich aus
Mitteln des Bundeskanzleramtes für Sport und vom Fond zur Förderung
des Behindertensports.
Weltweit
hat der Gehörlosensport an Bedeutung gewonnen und es werden in
vielen Sportarten Höchstleistungen erbracht. Einzig erkämpften die österr. Sportler
sich 1981 in Köln 10 Medaillen durch den Schiessport und in
Los Angeles im Jahr 1985 3 Medaillen wieder vom Schiessport.
Nach langen, erfolglosen 24 Jahren muss die Wartezeit nach ersehnten "Olympischen" Sommer-Medaillen für Österreich beenden werden. In den vergangenen Jahren haben viele
vorbereitende Maßnahmen stattgefunden und es werden erhebliche
Anstrengungen unternommen, um die Chance des Medaillengewinnes sowie
die Spitzenfelder für den Ind. Förderung zu
gelangen.
Stand: 09. März 2009
Die österreichische Delegation in Melbourne |